Dokumentation zum Aufruf „Vergemeinschaftung der Bankenschulden”

Hans-Werner Sinn war einer der ersten, der den Aufruf gegen eine Vergemeinschaftung der Bankenschulden innerhalb der Eurozone unterschrieben hat. Nach Veröffentlichung des Aufrufs wurde in der Presse mehrfach geschrieben, dass Hans-Werner Sinn der Initiator und Verfasser dieses Aufrufs gewesen sei. Das ifo Institut stellte indes in einer Pressemitteilung vom 18. Juli 2012 klar, dass der Aufruf von Walter Krämer von der TU Dortmund verfasst wurde. Sinn war zu der Zeit, zu der der Aufruf vorbereitet wurde, auf dem Weg nach Amerika. Er war auch nicht an der Anwerbung von Unterzeichnern beteiligt.

Der Aufruf wurde von insgesamt 279 deutschsprachigen Ökonomen, fast alles Professoren, unterzeichnet. Parallel zu dem Aufruf von Walter Krämer wurde ein in großen Teilen ähnlicher Aufruf von Frank Heinemann, TU Berlin, und Gerhard Illing, LMU München, initiiert, an dem neben den 16 Erstunterzeichnern insgesamt 220 Ökonomen unterschiedlicher Tätigkeit beteiligt waren. Dieser Aufruf wandte sich ebenfalls gegen eine Vergemeinschaftung der Bankenschulden, betonte aber die Notwendigkeit, die Banken gemeinsam zu regulieren.

In einem Beitrag, erschienen in der FAZ, betonten Hans-Werner Sinn und Walter Krämer, dass sie nicht gegen eine Bankenunion im Sinne einer gemeinsamen Regulierung der Banken waren. Man vergleiche dazu die Kritik seitens von Politikern, sowie die Gegenposition oder den Beitrag von Ulrich van Suntum.

Da die Positionen der unterschiedlichen Ökonomengruppen viel näher beieinander lagen, als in der Presse berichtet wurde, haben die zentralen Protagonisten beider Seiten anschließend zu einem gemeinsamen Text des sogenannten Plenums der Ökonomen zusammengefunden, der die tatsächlich bestehenden Gemeinsamkeiten beider Positionen hervorhebt. Diesen Text haben 237 deutschsprachige Professoren, unter anderem die oben genannten Personen aus beiden Lagern, unterschrieben.

In dem gemeinsamen Text werden nationale Systeme der Einlagensicherung gefordert, doch werden länderübergreifende Systeme der Risikoteilung abgelehnt.

Im Jahr 2018 veröffentlichte Hans-Werner Sinn den Artikel „Brandlöschung mit Benzin: Die europäische Einlagensicherung“. Dort zog er die Parallelen zur US-amerikanischen Savings & Loan-Krise der 1980er Jahre und zur Krise der deutschen Landesbanken, um zu zeigen, dass Haftungsverbünde implizieren, dass Zombiebanken sehr viel Geld für windige Geschäfte zugeschwemmt wird. Insofern wäre eine gemeinsame Einlagenversicherung extrem gefährlich für die Stabilität Europas. Der Keim der nächsten Bankenkrise wäre durch sie gelegt.

Dokumente

Hans-Werner Sinn, Brandlöschung mit Benzin: Die europäische Einlagensicherung“ (ref. Project Syndicate, Mai 2018), Handelsblatt, 6. Juni 2018.

Plenum der Ökonomen: Stellungnahme zur Europäischen Bankenunion, Ökonomenstimme, 21. September 2012.

„Aufruf gegen eine Vergemeinschaftung der Bankenschulden“, veröffentlicht in der Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Juli 2012.

Reaktionen anderer Ökonomen

„Zur Europäischen Bankenunion“, Aufruf von Martin Hellwig, Dennis Snower, Beatrice Weder di Mauro u.a., FAZ.net, 09. Juli 2012.

„Den Euro kann man nicht mit Geld retten“, Urs Birchler und Monika Bütler, Tages-Anzeiger.ch, 07. Juli 2012.

„Stellungnahme zur Europäischen Bankenunion“, Charles B. Blankart, Offener Brief an Frank Heinemann, 07. Juli 2012.

Presseecho

Ein Ökonom spricht Klartext, Handelsblatt, 24.07.2012, S. 47.

Sinn lässt die Kritik am Ökonomenaufruf abperlen, Handelsblatt, 20.07.2012, S. 17.

Scharfe Debatte über Vergemeinschaftung in der deutschen Ökonomenzunft, Neue Zürcher Zeitung, 09.07.2012, S. 19.

Euro-Krise spaltet Ökonomen, Handelsblatt, 06.07.2012, S. 8.

Kritik an EU-Gipfel: Top-Ökonomen rufen Bürger zu Euro-Protest auf, Spiegel online, 05.07.2012.